Mein Zuhause

Trends 2015: Natürlich gemütlich!

Die imm cologne, weltweit wichtigste Möbelmesse, zeigt Anfang jeden Jahres, was in puncto Inneneinrichtung angesagt ist. Trotz coolem Design und High-Tech-Ausstattung sind natürliche Materialien, Farben und Formen im Kommen. Und ohne Gemütlichkeit geht gar nichts.

In Zeiten rasanten Wandels und weltpolitischer Unwägbarkeiten legen die Menschen noch mehr Wert auf Geborgenheit in den eigenen vier Wänden – so erklären sich Trendexperten die Rückbesinnung auf Lebens- und Wohntrends, bei denen das Zuhause wieder in den Mittelpunkt rückt.

Statt Kino und Konzert macht man es sich im Heimkino gemütlich. Ein gemeinsamer Kochabend in der Wohnküche ersetzt den Restaurantbesuch mit Freunden. Balkon, Garten und Schrebergarten machen den einen oder anderen Ausflug in den Park überflüssig, und selbst Großstadtbewohner versuchen, in ihrer Einrichtung idyllische Dörflichkeit, Kindheitserinnerungen und vor allem viel Natur unterzubringen.

Einrichtungs-Europameister Deutschland

Kein Wunder, dass die Möbelbranche dank der wieder gestiegenen Wertschätzung der eigenen vier Wände zufrieden sein kann: Laut Ursula Geismann, Pressesprecherin des Verbandes der Deutschen Möbelindustrie (VDM), sind die Deutschen mit einer stabilen Pro-Kopf-Ausgabe für Möbel von 384 Euro pro Jahr nach wie vor Europameister beim Möbelkauf. Hinzu kommen die Ausgaben für Accessoires und Dekorationen beim Wohnen von etwa 100 bis 150 Euro. „Wir erwarten daher eine weitere Zunahme des Umsatzes mit Möbeln und Gegenständen rund ums Wohnen. Ob Investitionen in Garten und Terrasse, Beleuchtung, Wandgestaltung, Dekoration: Alle Maßnahmen werden weiter betrieben, individueller betrieben und sollen vor allem das eigene Lebensgefühl entschleunigen“, so die Expertin.

trends Da erstaunt es nicht, dass auch die Organisatoren der Kölner Möbelmesse imm cologne 2015 mit der Entwicklung mehr als zufrieden sind. In einer Woche kamen 146.000 Besucher aus 138 Ländern in die Kölner Messehallen, in denen in diesem Jahr wieder parallel die Küchenshow LivingKitchen veranstaltet wurde. „Mit diesem Ergebnis haben die beiden Kölner Veranstaltungen weiter an internationaler Strahlkraft gewonnen und sind damit außer Frage sowohl für den inländischen als auch für den internationalen Markt die wichtigste Plattform“, bilanziert Gerald Böse, Vorsitzender der Geschäftsführung der Koelnmesse GmbH. Und Dirk-Uwe Klaas, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Deutschen Möbelindustrie, bestätigt: „Unsere ohnehin schon recht hohen Erwartungen an die Messe sind übertroffen worden. Wir sind glücklich über mehr Fachbesucher aus dem In- und Ausland und gehen mit viel Optimismus in das Möbeljahr 2015.“

Warm und wohnlich

trends Doch wo genau geht es hin im neuen Jahr? Eben weiter in Richtung Geborgenheit und Gemütlichkeit. Das bedeutet konkret: Beliebt sind harmonische Formen und Farben und alles, was ruhig und wohnlich wirkt. Kuschelige Accessoires sowie gedämpftes und individuell verstellbares Licht runden die schicke, aber eben vor allem bequeme Einrichtung ab. Dazu gehören mittlerweile nicht nur große, einladende und für jeden Zweck verstellbare Wohnlandschaften, sondern in immer stärkerem Maße auch die hohen und besonders komfortablen Boxspring-Betten, ein Trend, der aus den USA nach Europa kam.

Möbel, die nur gut aussehen und in erster Linie repräsentativ sind, braucht niemand mehr. Funktionalität und Flexibilität sind die Schlüsselwörter. Das gilt für den ausziehbaren Esstisch genauso wie für das Sofa, auf dem man bequem liegen, aber auch wieder gut aufrecht sitzen kann, für die Wohnwand und auch wieder für kleinere Stauraumlösungen, die auf viel Technik und Multimedia und den damit einhergehenden Kabelsalat vorbereitet sind. Nostalgische und romantische Elemente sind selbst in sonst puristisch-modernen Wohnungen erlaubt – was auch zu einem Comeback der Landhausküche, aber bitte mit neuester Technik ausgestattet, führt.

Die grüne Leidenschaft

Doch gerade die allgegenwärtige Technik scheint der moderne Stadtbewohner mit möglichst viel Natürlichem ausgleichen zu wollen. „Der Megatrend Natur dominiert weiterhin“, weiß VDM-Sprecherin Ursula Geismann. „In Dekorationen und Accessoires, aber auch im Mainstream des Möbelangebotes wird nach natürlichen und gesunden Materialien gesucht. Natürliche, naturbelassene, authentische, ehrliche Materialien haben den Vorzug.“ Damit verbänden die Menschen das Verlässliche und Gesunde, etwas, was einem gut tut. Im Polsterbereich kommen daher Naturfasern wie Baumwolle, Leinen, Wolle und Wollfilz wieder öfter vor; sie werden aber Kunstfasern und Mischgeweben, die mit Strapazierfähigkeit und pflegeleichten Eigenschaften punkten, nie ganz den Rang ablaufen. Stein und Granit ziehen in die Küche ein, Glas löst an vielen Stellen Kunststoffverkleidungen ab.
trends Und was gehört noch zum Naturtrend? Natürlich ganz viel Holz! Denn Holz ist nach wie vor das Material, das am meisten für Natürlichkeit, Ursprünglichkeit, Verlässlichkeit, Langlebigkeit und Unkompliziertheit steht – also einen Kontrapunkt zu unserer schnelllebigen, technikdominierten und komplexen Welt schafft. „Bei den Hölzern ist nach wie vor die Eiche das angesagte Trendholz. Von samtglatt bis zu rubbelig-rau, in der wie auch immer veredelten Außenseite findet jeder Käufer seinen bevorzugten Eichengeschmack. Nussbaumholz verteidigt seine elegante Stellung, auch Kirschbaum wird zu sehen sein“, verrät Ursula Geismann. Dabei werden die Holzmöbel vor allem in Naturtönen gehalten. Matte Lackierungen oder geölte Hölzer verdrängen glänzend lackierte Oberflächen. Und dennoch wird das Wohnen insgesamt auch bunter: Weiß bleibt, steht aber zunehmend in Konkurrenz zu Hellgrau, Blau und Petrol – Hauptsache, die Farben harmonieren und strahlen Ruhe aus.